Brief aus Peru

Die Kolpingfamilie hat jüngst einen Brief von Pater Hermann Wendling, einem Arnsteiner Pater in Peru, erhalten, in dem er sich für die letzte Spende bedankt und die Situation vor Ort beschreibt. Da es gut zu wissen, dass die Spenden wirklich vor Ort ankommen, wofür sie verwendet werden und woran weiter Bedarf herrscht, veröffentlichen wir nachfolgend den Brief an unseren ersten Vorsitzenden:

Lieber Ferdi,
sei herzlich gegrüßt aus dem perunaischen Urwald. Zunächst danke ich ganz herzlich für die Spende, die mir die Kolpingfamilie St. Barbara zukommen gelassen hat. Meine Schwester hat mir schon vor einigen Wochen davon geschrieben, und die Spende ist schon auf unserem Konto in Juliaca eingegangen. Übermittele bitte meinen Dank an die Kolpingfamilie. In meiner Gemeinde sind wir für jede Spende dankbar, da wir viele Ausgaben, aber nur wenige eigene Einnahmen haben. Für einige Projekte, wie Schülerbibliotheken, Beihilfen für Studenten oder das Radio der Pfarrei haben wir Unterstützung von Spendern in Deutschland, Österreich und Peru, für unseren Lebensunterhalt kommt unsere peruanische Ordensprovinz auf, aber der Unterhalt unserer beiden Autos ist ein Problem. Wir arbeiten in drei Pfarreien mit etwa 100 Ortschaften, von denen ein Teil mit dem Auto zu erreichen sind, wenn auch auf schlechten Wegen. Um zu einem 30 km entfernten Ort zu reisen,
brauche ich 2 Stunden. Der öffentliche Personentransport funktioniert praktisch nur sonntags, erlaubt aber nicht, am selben Tag verschiedene Orte zu besuchen. Obwohl ich schon 4 Jahre hier bin, kenne ich noch nicht alle Gemeinden. In der vorigen Woche habe ich mit einem Mitbruder und einer Schwester einen der entlegensten Orte besucht. Es war eine Reise von 3 Tagen. Nach einer 3stuendigen Autofahrt von San Juan aus marschierten wir 10 Stunden zu Fuß, um einen Gottesdienst mit 7 Erwachsenen und 4 Kindern zu feiern. Wir sind durch die herrliche Landschaft und die Gastfreundschaft unterwegs entschädigt worden. Die Leute sind derzeit voll mit der Kaffeeernte beschäftigt, sie finden auch nur schwer Erntearbeiter. Unser Besuch war vor 2einhalb Monaten verabredet worden, da konnte man nicht voraussehen, dass die Ernte sich durch Regenwetter verlängern würde.
In diesem Jahr sind wir in meiner Hausgemeinschaft zu viert: zwei Peruaner, ein Chilene, ein Deutscher. Der chilenische Mitbruder, der fast 20 Jahre hier Pfarrer war, ist Anfang dieses Jahres in seine Heimat zurückgekehrt. Da fiel das Pfarreramt an den dienstältesten Geistlichen, das bin ich. Am 14. Mai war der Bischof von ayaviri hier und hat mich als Pfarrer eingeführt. Gott sei Dank habe ich gute Mitarbeiter an den Mitbrüdern, an den Schwestern unserer Ordensgemeinschaft in Putina Punco, an den Schwestern, die eine Schule hier in San Juan leiten, und an vielen Laienmitarbeitern.
Leider besteht in San Juan seit einem Jahr ein Konflikt zwischen dem Bürgermeister und der Mehrheit der Bevölkerung. Der Bürgermeister ist dieses Jahr gar nicht in seiner Gemeinde, sondern in Juliaca, der nächsten größeren Stadt, die aber 300 km und 10 bis 14 Autostunden von hier entfernt ist. Diese Situation hat sogar dazu geführt, dass der Ort seit vorgestern ohne Strom ist. Institutionen wie die Polizei und die Krankenstation und Privatpersonen nutzten den Mangel an Autorität, einfach nicht zu zahlen. Nach monatelangem Abwarten hat die private Stromgesellschaft jetzt den Strom für San Juan abgeschaltet. Ich befinde mich im Nachbarort Yanahuaya, um einige mails zu schreiben. Niemand weiß, wie das Problem in San Juan gelöst wird.
Lieber Ferdi, ich wünsche Dir, Renate und Christian sowie der Kolpingfamilie Gottes Segen für Euch und eure Tätigkeiten. Tut weiterhin Gutes und bleibt gesund.
Hermann


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