Verlegung weiterer Stolpersteine

Bereits an mehreren Stellen im Gebiet der Stadt Lahnstein wurden „Stolpersteine“ verlegt, mit welchen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden soll. Eingelassen wurden sie im Bürgersteig vor den Häusern, in denen Menschen gelebt haben, die von den Nazis ermordet oder durch Flucht oder Vertreibung zu Tode gekommen sind. Die Verlegung der Stolpersteine in Lahnstein erfolgte auf eine Initiative der Kolpingfamilie Lahnstein St. Barbara und wird unterstützt durch die Stadt Lahnstein. Das Projekt wird durch viele Einzelspender ermöglicht.
Kürzlich kam der Künstler Gunter Demnig nach Lahnstein, um weitere Stolpersteine zu verlegen. Die ersten beiden wurden in den Gehweg vor dem Haus Johannesstraße 3 zum Gedenken an Emil und Julie Mainzer eingebracht. Das Ehepaar betrieb bis 1938 in dem Gebäude eine Metzgerei. Nachdem die Familie auf Druck der „Judenaktion“ Geschäft und Wohnung aufgeben mussten, zogen sie nach Düsseldorf um. Von Düsseldorf wurden das Ehepaar Mainzer Ende 1941 in das Arbeits- und Vernichtungslager Minsk in Weißrussland deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Mit drei neu verlegten Stolpersteinen vor dem Gebäude Johannesstraße 5 wird Paul und Hans Levi sowie Max Wunsch gedacht. Die Eltern der Geschwister Levi unterhielten bis 1930 einen Laden mit Gemischtwaren und Kurzwaren in der Johannesstraße. Paul und Hans Levi wurden im Jahr 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Ihre Schwester Emmy Levi heiratete 1922 in Niederlahnstein Max Wunsch. Das Paar wohnte im Haus der Eltern Johannesstraße 5 und emigrierte 1933 nach Enschede/Holland. Max Wunsch wurde später nach Auschwitz deportiert. Als Todesdatum wird der 25. April 1943 genannt. Emmy überlebte und starb 1988 in Gravenhagn/Niederlande. Zudem wurde auf dem Salhofplatz für Anni Dorothea Richter ein Stolperstein verlegt. Sie zog im Mai 1938 von Annaberg-Buchholz nach Oberlahnstein in die Adolfstraße. Im November 1938 emigrierte sie nach Boskoop bei Den Haag/Niederlande. Trotz dieser Flucht vor den Nazis wurde sie 1943 in Holland verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.
Oberbürgermeister Peter Labonte erinnerte daran, dass es nicht darum gehe, über die Stolpersteine tatsächlich zu Stolpern. Er zitierte einen Schüler, der auf die Frage nach dem Namen des Projektes antwortete: „Nein, nein, man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“ Ziel sei es, die Namen der Opfer zurück an die Orte ihres Lebens zu bringen. Der Vorsitzende der Kolpingfamilie Lahnstein St. Barbara, Ferdi Müller, dankte dem Oberbürgermeister und dem Stadtarchivar Bernd Geil für die Unterstützung der Aktion. Er machte deutlich, dass die Initiative nicht den Sinn habe, eine ewige Schuld der Deutschen festzustellen, sondern, das Vergessen daran zu verhindern, wozu Menschen fähig sind, wenn sie fehlgeleitet werden. Peter Auras gab der Veranstaltung mit Gitarre und einem Liedbeitrag einen würdigen Rahmen.
Bei den Spendern, die diesmal die Verlegung der Stolpersteine ermöglichten, handelt es sich um Bernd und Helga Bruchof, Fritz und Maria Felgenheier, Dr. Johannes Kuster, Dr. Joachim und Erika Laun, Wilhelm und Klara Löhr, dem Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen, dem CDU-Stadtverband und dem Schifferverein Lahnstein.


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